Ausgangssituation
Muskel-Skelett-Erkrankungen gehören seit vielen Jahren zu den großen Volkskrankheiten. Vor allem die Kombination aus Bewegungsmangel und hohen körperlichen Belastungen in vielen Bereichen des Arbeitslebens sind ursächlich für die hohe Anzahl der Muskel-Skelett-Erkrankungen.
Gerade die Betreuung von Beschäftigten in dezentralen Strukturen zur Reduzierung von Muskel-Skelett-Belastungen ist schwierig. Dies betrifft insbesondere den Einzelhandel mit seinen 2,5 Millionen Beschäftigten, der häufig durch belastende, körperliche Tätigkeiten gekennzeichnet ist, die wie folgt beschrieben werden:
„Verkäufer arbeiten in der Regel in geschlossenen, temperierten, künstlich beleuchteten Räumen. Die Tätigkeiten werden zumeist im Stehen oder Gehen, bei Verwaltungstätigkeiten auch im Sitzen ausgeübt. Die körperlichen Belastungen durch Zwangshaltungen wie Bücken, Hocken und Überkopfarbeit, z. B. beim Auspacken und Einräumen der Waren, differieren je nach Größe und Gewicht des Warensortiments“ (IKK-Bundesverband, Berufsreport Verkäufer 2006).
Zudem gehen die körperlichen Belastungen häufig mit psychosozialen Belastungen einher, wie z.B. großem Zeitdruck. Plötzlich zunehmende Kundschaft veranlasst Beschäftigte, die ihre Tätigkeiten unter Publikumsverkehr durchführen, Hebetätigkeiten etc. z.B. besonders schnell und damit verbunden auch nicht immer ergonomisch einwandfrei durchzuführen. So verwundert es nicht, dass im Handel laut BKK-Report 2006 24,9% aller AU-Tage im Bereich des Handels durch Muskel-Skelett-Erkrankungen verursacht sind.
Das IFGP (Institut für gesundheitliche Prävention) hat sich mit dem Projekt naprima die Aufgabe gestellt, ein primärpräventives Konzept zur Reduzierung von Muskel-Skelett-Belastungen für Unternehmen mit dezentralen Strukturen zu entwickeln, zu erproben und umzusetzen.